Ethnologische Beschreibung

Der königliche Landgerichtsbezirk Regen von 1860


Nahrungsweise

»Die Nahrung des Waldlerbauern besteht fast ausschließlich in Pflanzenkost und Milch und Schmalz. Nur zu Weihnachten, Ostern, Pfingsten, der Faschingszeit und bei Hochzeiten wird Fleisch gekocht und zwar meist Schweinefleisch. Es werden täglich 5 Mahlzeiten genommen. Früh 6 Uhr nach der Früharbeit - Herbstmilchsuppe mit Brodbrocken und Kartoffel. Um 9 Uhr Kartoffel oder Brod, im Sommer mit Milch; Mittags 11 Uhr warmes Sauerkraut mit Kartoffel oder Brod, oder nur Kartoffelmuß; dann Kartoffel oder seltener Mehlnudeln mit oder ohne Milch, oder Knödel von schwarzen Brod mit Schwämen, theils grünen, theils gedörten, verschieden gebackene Mehlspeisen im Sommer mit Milch. Hie und da noch als Nachspeise Suppe von Milch oder nur kalte Süßmilch. Von Gemüsen kennt man nur Kraut, Rüben oder Dorschen (Erdbirnen) und zwar entweder süß gekocht oder Kraut und Rüben sauer eingemacht (Sauerkraut). Der gelbe Brein, welcher von milden Gegenden durch eigene Breinhändler hereingebracht wird, kommt in Milch und Schmalz gebraten auf den Tisch und ist die Zierde desselben an Sonn- und Feiertagen. Zur Arndtezeit ist die Kost noch beßer und wird auf dieselbe mehr Schmalz verwendet. Bei den Ärmeren ist die Kartoffel als Speise vorherrschend.«

Haus von Opa und Oma (um 1955)
Das Schwarzweiß-Bild zeigt das Haus meiner Großeltern in Hangenleithen in der Zeit um 1955. Rechts im Bild ist der Backofen zu sehen, der leider in den 1970er Jahren dem Straßenbau zum Opfer viel. (Quelle: Fotosammlung Benz, Regen)

»Nachmittags 3 Uhr Milch und Brod. Abends um 7 - 8 Uhr je nach der Jahreszeit früher, oder später Milchsuppe und Kartoffel, häufig auch Kartoffel- oder Mehlspeisen. Der Genuß geistiger Getränke von Seite der Bauern ist geringe. Bei der Arbeit stillt frisches, klares Brunnen- oder Quellwasser seinen Durst. Das Quellenwasser im Bayr. Walde ist ausgezeichnet. Nur an Sonn- und Feiertagen wenn er zur Kirche geht, kehrt er vor oder nach dem Gottesdienst im Wirthshause ein; hält sich aber in der Regel in den selben nicht zu lange auf. Nur das junge Volk besucht die Wirthshäuser auch Sonn- und Feiertags nachmittags singt und lärmt dort zuweilen oder scheibt Kegel. Die Sprache ist hier laut mitunter schreiend theils sind sie laut zu sprechen gewöhnt, theils macht sie der wenig gewohnte Genuß des Bieres lebhafter.
Branntweintrinker findet man selten und sind dies meist alte Soldaten.
Die Ernährung der Kinder im ersten Jahre geschieht durch die Muttermilch. Ausnahmen sind von dieser Ernährungsart nur äußerst selten und nur dann, wenn der Mutter keine Milch zuläuft oder wenn die Brustwarzen durchaus nicht hervorstehend sind. Nicht selten ist es, daß die Kinder 1 Jahr ja sogar bis 2 Jahre an der Mutterbrust geschenkt werden, weil damit der Glaube bei den gemeinern Weibern verbunden ist, daß sie solange das Kind geschenkt wird nicht schwanger werden.«

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Quelle u. a. "Staatsbibliothek München"